Triathlon: Sonne auf dem Rücken der Triathleten

Breitensport-Wochenende in Limburg

Vor der Abfahrt versammelten sich alle Teilnehmer noch zu einem Gruppenbild (Foto: Stefan Mattheus).
Vor der Abfahrt versammelten sich alle Teilnehmer noch zu einem Gruppenbild (Foto: Stefan Mattheus).

Die Höhenmeter verlangten am Breitensport-Wochenende vom 7.-8. Mai 2016 dem einen oder anderen Triathleten der SSF Bonn tatsächlich mehr Kraft ab und ließen den Puls über längere Zeit höher steigen. Am ersten Tag der von Dirk und Ralf organisierten Tour ging es für die sportlichen Radfahrer über das Siebengebirge durch den Westerwald zum Landkreis Altenkirchen. Die erste Verpflegungsstation war in Mehren, wo die Triathleten nach geschafften 32,7 Kilometern ihre verdiente Pause mitten in einer malerischen Kulisse einer romanischen Kirche, wunderschönen Fachwerkhäusern und einem naturbelassenen Maar genießen durften.

Gruppe 1 kam wegen eines gleich doppelten Platten von Maresa mit etwas Verspätung an, wenig später gefolgt von Gruppe 2 und 3. „Wir könnten uns kein besseres Wetter wünschen“, war öfters zu hören, während bisher unbenutzter Sonnenschutz aus der Versenkung der Taschen herausgeholt wurde. Nach der Pause ging es auf wenig befahrenen Straßen und durch malerische Täler und Wälder Richtung Maxsain, wo die zweite Etappe nach 32,3 Kilometern endete. Die Breitensport-Triathleten der SSF Bonn stellten ihr Können unter Beweis: Zwischen der Ankunft der ersten und der letzten Gruppe waren keine 50 Minuten vergangen. Alle kamen fröhlich und wohlbehalten an, motiviert von der fantastischen Landschaft sowie vom prächtigen Wetter. „War das ein tolles Gefühl in Maxsain reinzufahren“, rief Torsten, während er seine Oberschenkel im Schatten massierte. Es galt, in dieser Etappe immerhin mehrere Hundert Meter Höhenunterschied zu überwinden.

Erholung, Yoga und die Grillgabel

Die letzte Strecke am Samstag führte die Gruppen weiterhin reich an Höhenmetern nach Limburg an der Lahn, wo sie in der Jugendherberge Zimmer, Abendprogramm und Grillen erwartete. Die Yogastunde von Maresa mitten in einer Blumenwiese hatte auf die abgearbeiteten Muskelpartien eine befreiende, auf Zuschauer aus einem Reisebus eher eine komische Wirkung. Beim Abendessen war die Arbeit für manch einen von uns noch nicht getan: Die freundliche Küchenchefin der Jugendherberge gab Ralf W. die Grillgabel und damit zu verstehen, dass ab nun er das Grillen übernehmen soll, da sie Feierabend machen möchte.

Muttertagssekt, Schwimmen und das Knusperhäuschen

Der nächste Tag fing für einige schon früh an, da sie, wie geplant, noch vor dem Frühstück gerne laufen gehen wollten. Die Eingangstür der Jugendherberge war aber abgesperrt. Nach mehrmaligem Klopfen kam die freundliche Küchenchefin vom Vortag mit dem Ausruf „Ich bin noch nicht hier“ heraus und sperrte für die sportbegeisterten Triathleten die Eingangstür endlich auf. Dies kam den Qigong-Begeisterten ebenfalls zugute, da sie, angeführt von Edith, mit ihren Übungen im Freien den Tag begrüßen konnten. Beim Frühstück wurden die Damen, die Mütter sind oder werden wollen bzw. noch nicht sind oder nicht werden wollen, mit Sekt und Orangensaft zum Muttertag freundlich begrüßt, welcher dann meistens den Herren der Runde weitergereicht wurde. Das ließ die freundliche Küchenchefin der Jugendherberge nicht beirren und so bekamen die Damen ein weiteres Glas mit den Worten „Sie hatten noch keins, oder?“.

Nach dem Frühstück stand Schwimmen auf dem Plan, wobei die ursprüngliche Teilnehmerzahl aufgrund der vielen Höhenmeter und des Gegenwinds am Vortag von 30 auf zehn schrumpfte. Das Schwimmbad in Diez war sehr schön und modern. Bloß das Wasser war ein wenig zu warm fürs Schwimmen. Die Angestellten des Schwimmbades waren angesichts der Gruppengröße der Bonner Triathleten erleichtert, da sie eh nur eine Bahn sperren konnten, denn eine zweite Schnur für eine weitere Bahn war nicht vorhanden. Unter der Leitung von Sizzo ging die lustige und abwechslungsreiche Stunde wie im Flug vorbei und bald waren wir in die Jugendherberge zurückgekehrt.

Inzwischen wollten Jens, Ralf und Kai noch vor der anstehenden Fahrradtour eine kleinere Runde laufen. Sie verliefen sich jedoch, wie Hänsel und Gretel, im Wald und kamen an den Rand eines Dorfes. Da sie Durst verspürten und nichts zum Trinken dabei hatten, klopften sie lieblich an eine Haustür. Eine misstrauische Alte öffnete die Tür ihres Knusperhauses einen Spalt und, nachdem die verirrten Läufer ihr die Lage schilderten, schloss sie wieder, um sie kurze Zeit später wieder zu öffnen und unseren Kameraden durch den Spalt eine Flasche Wasser zu reichen: „Das können Sie alles haben!“. Gottes Zoo ist groß und bunt.

Die letzte Etappe, Kunsttücke mit dem Mountainbike und wohlige Erschöpfung

Das Mittagessen verlief in lockerer und ungezwungener Atmosphäre. Danach verabschiedeten sich einige von der Gruppe, die am Rückfahrtprogramm nicht teilnehmen wollten, und kurze Zeit später stiegen die verbliebenen Triathleten auf die Fahrräder, um die erste Etappe des zweiten Tages zu bestreiten. Im Bus waren wieder ein paar Fahrgäste. Der Puls bzw. die Waden wollten nicht mitmachen. Die erste Tour führten die inzwischen auf zwei Gruppen geschrumpften Triathleten auf weniger Höhenunterschieden entlang der A3 zuerst nach Mogendorf. Nach 12 Uhr kletterten die Temperaturen auf stolze 25°C. Zwischen Abfahrt der Gruppe 1 und Ankunft der Gruppe 2 lagen 10 Minuten. Dieser Abstand wuchs mit jeder Station ein wenig. Unser längerer Aufenthalt in Mogendorf lockte einige neugierige Blicke aus den Häusern und ein ca. 9-jähriger Junge führte seine Kunststücke mit dem Mountainbike auf dem Dorfplatz, um uns herumkreisend in voller Fahrradmontur durch. „Das kann ich nicht mehr mit ansehen“, sagte Dinah nach der 5. Runde und rief den Jungen herbei: „Dein Vorderrad ist falsch herum“ ließ sie den verdutzten Jungen wissen. „Echt?“ fragte er ein wenig eingeschüchtert. „Wenn Du willst, richte ich es dir“, bot Dinah hilfsbereit an. „Nicht nötig“, antwortete der Junge, „mein Papa wird das schon machen“ und schon war er weg. Fünf Minuten später stand er wieder vor Dinah: „Kannst Du es doch machen?“

Paffhausen wurde uns als zweiter und damit letzter Ort für die Verpflegungspause zugerufen. Hier stand es Kai (meinem aktuellen Mitfahrer) und mir frei, mit dem Bus ein schönes und schattiges Plätzchen zu suchen. Bedingt durch die schiere Größe des Dorfes (ca. 6 Häuser) fanden wir etwas abseits von der Straße einen wunderschönen Platz mit tollem Ausblick auf das darunter liegende Tal. Unser Standort an der abfallenden Straße war für Antonio, der der der Gruppe mit kurzem Abstand folgte, ungünstig, da er so von der tollen Abfahrt begeistert an uns vorbei in das Tal fuhr, um danach in einer Fleißrunde wieder zu uns zurückzukehren. „Du versteckst dich“, rief er mir außer Atem zu. Ich konnte seinen Ärger verstehen. Bei der letzten Etappe stieg niemand mehr schmerzbedingt in den Bus.

Nun saßen Simone, Sizzo und ich gemütlich in der Sonne und warteten auf die Ankunft von Gruppe 2. Matt, der sich wegen Knieschmerzen noch in Limburg von der Gruppe verabschieden musste, kam dazu und erzählte seine über zwei Stunden dauernde Bahn-Odyssee von Limburg nach Bonn, weil ihn der ICE-Schaffner mit Fahrrad nicht in die Bahn steigen ließ. „Es half nichts“, erzählte er „nicht einmal, dass ich jemanden spielte, der kein Deutsch spricht.“ Der Schaffner blieb auch auf Englisch hartnäckig.

Gruppe 2 kam an: Müde aber strahlende Kameraden klatschten sich in die Hände und umarmten sich. Alle waren glücklich und zufrieden und wussten bereits in diesem Momemnt, dass sie nächstes Jahr wieder so eine wunderschöne Tour miteinander unternehmen wollen.

Für die letzte Strecke brauchte der Bus ca. eine halbe Stunde. Kaum am Ziel in Beuel angekommen waren die schnellsten Radfahrer auch schon da. Die knappe Stunde auf dem Rad auf trockenen und sonnigen Straßen ließ ihnen eine wohlige Erschöpfung nach erbrachter Leistung anmerken. Sie stiegen vom Rad, klatschten einander sportlich in die Hände und gratulierten sich für das gelungene Wochenende.

„Die Strecke heute forderte uns teilweise heraus“, lautete Michaels Resümee. „Viele Autos, weniger Dorfidylle, aber dafür auch weniger Höhenmeter zu meistern“.

Emöke Mühl

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